ZENSHIN-BRIEFE

 

Willkommen bei Zen Fuer Frauen,

 

die Sonne hat den Frühjahrspunkt bereits überquert und steuert nun auf einen Finsternis-Neumond zu. Viele alte Völker sahen Sonnenfinsternisse als übernatürliche Erscheinungen an und fürchteten sich davor. Man betrachtete sie als Vorboten nahenden Unheils oder glaubte, die Sonne sei von feindlichen Dämonen bedrängt .

 

Die alten Chinesen glaubten, dass Sonnenfinsternisse entstehen, wenn ein himmlischer Drache die Sonne verschlingt. Heute vermitteln uns die Medien - ähnlich wie damals - dass die Welt am Abgrund steht und schüren damit bei den Menschen Unsicherheit und eine erhebliche Angst vor der Zukunft.

 

Wie können wir uns vor diesen Einflüssen schützen?

Wie können wir Klarheit erlangen?

 

Manchmal scheint es deshalb geboten und besonders in einer Welt, in der es im Aussen keine klare Orientierung mehr zu geben scheint, einen Schritt zurückzutreten, und sich solchen Fragen zuzuwenden, die das Rück-Besinnen auf die wirklich wichtigen Dingen im Leben fördern.

Was bedeutet es, Mensch zu sein?

Was gibt mir Sicherheit und Halt!

Und – wo finde ich sie, wenn es im Aussen daran mangelt?

 

Während ich diesen Zen-Brief schreibe, kommt mir der Begriff Homo Religiosis in den Sinn. Der religiöse Mensch. Haben wir tatsächlich eine erbliche Prädisposition zum Spirituellen? Tragen wir ein spirituelles Gen in uns? Das sogenannte Gottes-Gen?

 

„Diese Bezeichnung bedeutet nicht, dass es ein Gen gibt, das die Leute an Gott glauben lässt, sondern sie bezieht sich auf die Tatsache, dass die Menschen eine erbliche Prädisposition zum Spirituellen haben.“                                                                      Dean Hammer

 

und der amerikanische Psychologe und Philosoph William James schrieb 1903: „Das Fühlen ist die tiefere Quelle der Religion”, und spielte dabei auf den spirituellen Aspekt des Glaubens an. Während aber Religiosität eng mit überlieferten Gottesbildern, Dogmen, Heilsgeschichten und Praktiken zusammenhängt, hat Spiritualität dagegen mehr damit zu tun, sich in ein größeres Ganzes eingebettet zu fühlen, in bestimmten Tätigkeiten aufzugehen, sich also selbst zu transzendieren oder zu vergessen – bis hin zu mystischen Bewusstseins-Zuständen.

 

Wir finden diese Prädisposition zum Spirituellen auch in dem Begriff der Buddha-Natur. Der Buddha erkannte 500 Jahre vor Jesus den Menschen als befangen in leidvoller Unwissenheit, Täuschung und Verblendung über seine Wirklichkeit und menschliche Natur und zeigte den Weg des Erwachens und der Verwirklichung der "Buddha-Natur". Alle Menschen haben das Potential des wahren, befreiten, vollendeten Menschseins, die "Buddhaschaft“.

 

Dabei unterscheidet er zwei Arten der Buddha-Natur:

die sogenannte natürlich anwesende Buddha-Natur, die alle Lebewesen seit anfangsloser Zeit in sich tragen. Wenn diese Anlage durch Hören, Kontemplation und Meditation genährt wird, wandelt sie sich in die zu entwickelnde Buddha-Natur.

 

Die Idee vom neuen, kommenden, noch zu verwirklichenden Menschen bildet auch die Grundlage der Religionen, die wir heute als Weltreligionen sehen, denn erst in diesen erwachte menschheits-geschichtlich das Bewusstsein vom Menschen - von der Menschheit und der Menschlichkeit.

 

Was aber bedeutet Menschlichkeit?

Ménschlichkeit - das ist das Sein, das Dasein als Mensch,

das Dasein als menschliches Wesen.

 

Betrachtet man das Wort »human« mythologisch, so setzt es sich aus den Silben »Hu« und »Man« zusammen. Hu ist eine altägyptische Schöpfungs- Gottheit und symbolisiert die Schöpfungskraft, Man oder Mannaz ist die 20. Rune aus dem Furthak Runenalphabet und repräsentiert die Schwingungs-Frequenz für Mensch, Menschlichkeit und göttliche Abstammung des Menschen.

Mensch zu sein, ein hu-man zu sein, bedeutet demnach, sich seines göttlichen Bewusstseins, seiner eigenen Schöpferkraft zu bedienen. Doch warum schaffen wir es nicht, trotz  aller Möglichkeiten, die uns zur Verfügung stehen  und  trotz vieler gross-artiger Überlegungen, diese Erde und alle Lebewesen auf ihr erblühen zu lassen?

 

Von Geburt an bis zu unserem Tod erfahren wir die absolute Verletzbarkeit allen menschlichen Lebens und aller Lebewesen. Ist es dann nicht eigentlich das Er-Kennen oder besser An-Erkennen der Verletzlichkeit des Menschlichen Daseins, dass dazu führt, dass wir menschlicher werden, dass wir menschlicher fühlen, denken und handeln?

 

Es heisst, wenn man den Weg des Zen geht, ist das einzige, was man findet, seine eigene Menschlichkeit.

Der Mensch ist zwar durch sein Karma konditioniert, nicht aber determiniert. Er kann das Netz der Bindungen, das er sich selbst geknotet hat, jederzeit durch die Praxis der Meditation durchbrechen.

 

Zen beschreibt als Weg des Menschen eine Menschwerdung, die zum Ziel kommt, wenn sich das ICH in einem grösseren Zusammenhang erkennt oder im Unsagbaren seine Identität gewinnt. Die Existenz als Mensch ist deshalb so kostbar, weil nur auf dieser Existenzstufe bzw. in diesem Bewusstseins-Zustand die freie Entscheidung zur spirituellen Praxis möglich ist.

 

Der Mensch ist in jedem Augenblick der Schöpfer seiner selbst und damit auch seiner Welt. Uns selbst und das eigene Schaffen von Ich und Welt gilt es zu ergründen und zu durchschauen.

 

Mit der Rückbesinnung auf unseren innersten göttlichen Kern, unsere Buddha-Natur, wächst in einer ganz natürlichen Weise das Licht in uns und gibt uns Halt und Kraft. Lassen wir es immer stärker werden, dann verbindet es sich durch sein eigenes Leuchten mit den vielen anderen und wird zu einer starken Flamme der Liebe und Verbundenheit und des Mitgefühls.

 

der nächste Zenshin-Rundbrief erscheint

zur Sommer-Sonnen-Wende am 22. Juni 2025